Der Sommer ist vorbei und der Winter steht vor der Tür. Das bedeutet für die meisten akkubetriebenen Gartengeräte die mehrmonatige Verbannung in den Schuppen oder Garage. Doch was macht man mit den Akkus? Lässt man die im Gerät oder baut man sie aus? Wo ist der beste Aufbewahrungsort und wie muss der Ladezustand sein? Oft kursieren nur Halbwissen oder veraltete Informationen, die auf aktuelle Akkugenerationen nicht mehr zutreffen.
Ich werde euch daher einen kleinen Überblick geben, damit ihr im nächsten Frühjahr mit einem funktionierendem Akku in die Gartensaison starten könnt.
In dieser Übersicht werde ich jeweils auf NiMH und Li-Ion Akkus eingehen. Dies sind die beiden häufigsten Akkutypen, die in einem Haushalt zu finden sind. Nickel-Cadmium (NiCD) Akkus lasse ich außen vor, da diese kaum noch Anwendung finden. Ebenso werde ich auf Lithium-Polymer (LiPo) Akkus nicht näher eingehen, da diese eine Unterart der Lithium-Ionen-Akkus sind.
Wie werden Akkus richtig geladen?
Bitte ladet eure Akkus immer nur mit dem passenden Ladegerät, um vorzeitigen Verschleiß oder gar Beschädigungen vorzubeugen.
Und einen Hinweis zum Verständnis habe ich noch: Ein Ladezyklus geht immer von 0-100 Prozent. Wird der Akku beispielweise von 25% auf 75% oder von 50% auf 100% geladen, ist das immer ein halber Zyklus. Wird er von 25% auf 50% oder von 60% auf 85% geladen, ist das ein Viertel Zyklus.
NiMH
Gewöhnlich müssen normale NiMH-Akkus nach dem Kauf erst einmal vollständig geladen werden, da diese eine relativ hohe Selbstentladung von 25-50 Prozent pro Monat besitzen. Es gibt jedoch auch Eco-NiMH oder LSD-NiMH Akkus (Low Self Discharge) mit einer Selbstentladungsrate von nur 10-15 Prozent pro Jahr. Diese sind besonders für den unregelmäßigen oder seltenen Einsatz geeignet. Im Gegensatz zu Li-Ionen-Akkus erreichen NiMH-Akkus ihre volle Kapazität erst nach zwei bis drei Lade- und Entladezyklen.
Die Erstladung sollte immer mit einem geringen Ladestrom erfolgen, um den Akku nicht zu schädigen. Bei allen weiteren Ladevorgängen empfiehlt sich ein höherer Ladestrom - dies regelt das Ladegerät aber automatisch. Die Ladedauer liegt dann in der Regel bei 3-4 Stunden. Moderne Ladegeräte erkennen, wenn der NiMH-Akku vollständig geladen ist und schalten ab. Bei älteren Modellen sollte der Akku spätestens nach 4 Stunden entfernt werden, da NiMH-Akkus eine Überladung wesentlich schlechter als NiCD-Akkus vertragen. Achtet auch darauf, dass die Akkus nicht heiß werden. NiMH-Akkus vertragen keine Hitze und können dadurch beschädigt werden, bzw. verringert sich die Lebensdauer erheblich. Der Akku darf höchstens handwarm werden. Wird er heißer, solltet ihr den Ladevorgang abbrechen.
Die optimale Betriebs- und Ladetemperatur liegt zwischen 10 und 30 Grad Celsius. Temperaturen unter 0 und über 40 Grad führen zu einer starken Verkürzung der Lebensdauer von NiMH-Akkus. Ebenfalls mögen NiMH-Akkus keine Tiefenentladung. Daher ist eine Verwendung von NiMH-Akkus in Niedrigspannungsgeräten wie Weckern oder Fernbedienungen nicht zu empfehlen, da diese den Akku bis zur Tiefenentladung nutzen können und der Akku dadurch irreversibel geschädigt werden kann.
Ein Hinweis zur Nutzung: Ladet die Akkus lieber häufiger auf (geringe Zyklentiefe) und verlängert dadurch die Lebensdauer. Dadurch kommt es zwar zum Lazy-Akku-Effekt - ähnlich dem Memory-Effekt bei NiCD-Akkus - aber dieser lässt sich sehr einfach beheben.
Der Lazy-Akku-Effekt entsteht durch die nicht vollständige Entladung des NiMH-Akkus. Er verringert die Spannung des Akkus über den gesamten Entladezyklus, wodurch sich auch die Nutzungsdauer des Akkus verringert. Der Effekt ist aber wesentlich geringer als beim Memory-Effekt. Durch zwei- bis dreimaliges Entladen und Aufladen kann der Effekt vollständig entfernt werden.
Li-Ion
Li-Ion-Akkus sind schon vorgeladen und können nach dem Kauf gleich genutzt werden. Anders als bei NiMH-Akkus steht die volle Kapazität und Leistung sofort mit der ersten Aufladung zur Verfügung. Ein Li-Ion-Akku muss nicht "trainiert" werden und besitzt auch keinen Memory- oder Lazy-Akku-Effekt.
Allerdings verschleißen bzw. altern Li-Ion-Akkus auch bei der besten Akkupflege - sogar wenn sie gar nicht genutzt werden. Daher ist es zum einen besonders wichtig, dass ihr immer das passende Ladegerät benutzt. Ein Li-Ion-Akku kann nicht mit einem NiCD/NiMH-Ladegerät geladen werden, da er eine komplexere Ladeelektronik benötigt (bspw. bei Werkzeugakkus). Bei Handy- oder Notebook-Akkus ist die Ladeelektronik oft im Gerät und Akku und auch im Ladegerät verteilt. Diese Elektronik für Li-Ion-Akkus bietet immer einen Überhitzungsschutz, Tiefenentladungsschutz und sorgt für einen gleichmäßigen Ladestrom. Zudem wird der Ladevorgang von Li-Ion-Akkus immer automatisch beendet, wenn diese vollständig aufgeladen sind.
Das bedeutet aber nicht, dass ihr beispielsweise euer Smartphone über Nacht laden solltet. Denn sobald der Ladezustand auf 99% fällt, fängt die Ladeelektronik wieder an zu laden. Und besonders dieser höhere Ladestrom, der zum Vollladen eures Smartphones von 80-100 Prozent genutzt wird, lässt den Akku schneller altern und die Lebensdauer verkürzt sich schneller.
Die Lebensdauer eures Li-Ion-Akkus könnt ihr durch kleine Ladezyklen verlängern. Besonders empfehlenswert ist es, den Ladezustand zwischen 40-80 Prozent zu halten, da der Ladestrom bei der Aufladung von 40% auf 80% schonender ist, als in den anderen Ladezustandsbereichen.
Wie werden Akkus richtig gelagert?
Generell empfehle ich, Akkus zum Überwintern aus den Geräten zu entfernen und diese an einem trockenen und kühlen Ort zu lagern. Ideal sind 10-20 Grad Celsius in einem temperaturstabilen Raum.
NiMH
Die Besonderheit bei NiMH-Akkus ist, dass diese möglichst voll aufgeladen eingelagert werden müssen. Durch die teils hohe Selbstentladungsrate kann es sonst frühzeitig zu einer Tiefenentladung kommen. Um dies zu vermeiden solltet ihr NiMH-Akkus bestenfalls nach 3-4 Monaten oder spätestens nach 5-6 Monaten Lagerzeit einmal entladen und wieder voll aufladen. Damit stellt ihr sicher, dass euer Akku auch nach dem Winterschlaf noch funktionsfähig ist.
Li-Ion
Li-Ion-Akkus sollten bei der Einlagerung zu 40-60 Prozent aufgeladen sein, um irreversible Kapazitätsverluste während der Lagerung so gering wie möglich zu halten. Da diese Akkus nur eine sehr geringe Selbstentladung von weniger als 5% pro Monat aufweisen, braucht ihr eine Zwischenladung meist erst nach 4-6 Monaten Einlagerung vornehmen. Eine vorherige Entladung wie bei NiMH-Akkus ist bei Li-Ion-Akkus nicht mehr notwendig, da dies den Akku nur schädigen würde.
Zudem ist sogar eine trockene Lagerung bei 0-10 Grad Celsius durchaus empfehlenswert, da diese die natürliche Alterung der Li-ion-Akkus stark verlangsamt. Der Kühlschrank ist aber nicht als Aufbewahrungsort geeignet. Und vor der nächsten Inbetriebnahme oder Aufladung sollte die Akkutemperatur unbedingt wieder auf mindestens 10 Grad gebracht werden.
Fazit
Diese Tipps und Hinweise treffen natürlich auf jeden NiMH- oder Li-Ion-Akku zu, den es in eurem Haushalt gibt. Ich hoffe mein Beitrag konnte etwas Klarheit schaffen, da es doch viel vermischtes Wissen um Akkus gibt, das teilweise sehr alt ist und nicht mehr auf die neuen Akku-Generationen zutrifft.
Ihr braucht noch mehr Informationen zum aktuellen Beitrag? Dann schreibt uns eure Fragen, Meinungen und Anregungen gern in die Kommentare.